Geschichte

In Mesopotamien fand man ca. 3300 v. Chr., auf Ärtzesiegeln, die ersten historisch gut belegbaren Zeugnisse ärztlicher Schröpftätigkeit. Ähnliche Siegel benutze man später in Griechenland. Der Schröpfkopf galt dort als Emblem des Arztes, ein Zeichen dafür, wie bedeutend diese Therapieform gewesen sein mag. Hippokrates (400 v. Chr.) gab detaillierte Anweisungen zum Gebrauch der Methode. Von Paracelsus (1493- 1541) stammt folgender Satz: «wo die Natur einen Schmerz erzeugt hat, da haben sich schädliche Stoffe angehäuft. Ist die Natur nicht imstande, diese selbst auszuleeren, so muss der Arzt an dieser Stelle eine künstliche Öffnung machen, um ihr zu helfen.»

Seit dem 20. Jahrhundert liegt das Schröpfen wieder überwiegend in den Händen von Heilpraktikern. Nur wenige Ärzte haben nie aufgehört, sie zum unverzichtbaren Rüstzeug des Naturheilarztes zu erklären. Doch manche unserer Patienten, älteren Semesters, können sich errinnern, dass Gemeindeschwestern, im Auftrag der Hausärzte, bei ihren Verwandten das Schröpfen im Falle akuter Erkrankungen wie z.B. Bronchitis oder Lungenentzündungen, sowie bei chronischen Erkrankungen wie z.B. Verdauungsbeschwerden, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, angewendet haben. 

Theorie des Schröpfens

Das blutige Schröpfen: es wird an bestimmten Stellen am Rücken des Patienten mit einem speziellen Gerät (Schnäpper) aufgeritzt. Darauf setzt er ein Schröpfglas und saugt eine wechselnd grosse Menge Blut in sie ab.

Beim trocken Schröpfen wird die Haut nicht verletzt. Durch geeignete Massnahmen wird an der Gelose (Störfeld =eine tastbare Veränderung in Haut oder Muskeln gemeint, die Aufschlüsse über Organstörungen gibt) ein Saugreiz erzeugt, welcher rote Blutkörperchen aus dem Gefässsystem in das Perivasculum saugt, ohne dass es zu einer Verletzung der Haargefässe kommt. Diese Extravasate (lat. extra=ausserhalb, vas=Gefässe; aus den Lymph-, und Blutgefässen austretende Flüssigkeit) müssen vom Körper aus dem Bindegewebe wieder entfernt werden. Um dies zu aktivieren, muss der Organismus die betroffene Stelle erheblich besser durchbluten. Dies stellt eine umfassende Aktivierung der Selbstheilungskräfte in der behandelten Zone (gestörte Reflexzone) dar. Im Sinne der Reflexologie (=segmentale Behandlung) wirkt das direkt auf die mit ihr verbundenen Zielorgane aus. Das wiederum wirkt im Sinne der Holisitik auf das Ganze als wieder normalisierte Informationsrückkopplung ein.

Obwohl die Schröpfköpfe nur an bestimmten, z.B. schmerzhaften Körperstellen auf die Haut aufgesetzt und damit scheinbar nur die Symptome behandelt werden, wird keineswegs angestrebt, lediglich die Krankheitszeichen zu unterdrücken. Sowohl das Schröpfen als auch die Schröpfkopfmassage bewirken durch die reflektorischen Beziehung von der Haut zum Organ (Head’sche Zonen) eine regulierende Anregung auf den ganzen Körper und infolgedessen die Heilung der wirklichen Krankheit.